Argumente gegen das Zeitgeschehen - 21.-24. Mai 2020

Eine Veranstaltung des Arbeitskreis Auflösen

Das "Argumente gegen das Zeitgeschehen" muss 2020 aufgrund der aktuellen Situation leider ausfallen.

Die Frau im Kapitalismus

Juristisch gleichgestellt, moralisch geachtet, schlecht behandelt

Heutzutage ist die Frau dem Mann rechtlich gleichgestellt und sexuelle Annäherungen und Taten von Männern gegen ihren Willen sind verboten. Frauen stellen die Mehrheit der Abiturienten, in vielen Studiengängen sogar die Mehrheit der Studenten und haben manche vordem als Männerdomänen bekannte Berufsfelder erobert. Nichtdestotrotz bleiben Frauen in der Arbeitswelt schlechter gestellt, bleiben mehrheitlich bei ihrer Frauenrolle in der Familie und erfahren noch immer genug Diskriminierung, Gewalt und sexuelle An- und Übergriffe.

Wie erklärt sich diese Diskrepanz?

Aktivistinnen der Geschlechtergerechtigkeit führen den Kampf dagegen, indem sie gegen die Männerwelt Aufstellung nehmen und ihr vorwerfen,

Mit ihrer Forderung nach Respekt vor der gleichberechtigten Rolle der Frau rennen sie überall – in Politik, Öffentlichkeit und schon gleich im akademischen Bereich – offene Türen ein. Bis auf ganz konservative Kreise, die vom traditionellen Familienbild nicht lassen wollen, gibt es keine Stimme, die vor den Frauen als vollwertigen, beruflich und überhaupt selbst bestimmten Mitgliedern der Gesellschaft nicht den Hut ziehen würde. Überall gibt es Gleichstellungsbeauftragte, Frauenförderung und Frauenlehrstühle; an Unis, im linken Milieu und in manchen Behörden ist das „Gendern“ verbreitet: In der Sprache, durch die Modifikation von Wörtern und Grammatik, wird dem weibliche Geschlecht die Ehre erwiesen.

Nur rührt dieser Fortschritt, dass Frauen Respektbezeugungen erhalten, offensichtlich und prinzipiell nicht an den Gründen der gesellschaftlichen Positionen und Rollen, auf die die Frauen festgelegt sind.

Es bleibt bei dem Befund: Offizielle Rechtslage, offizielle Moral und allgemein bekräftigter guter Wille stehen in Diskrepanz zu der diskriminierenden Praxis im Arbeits- wie im Privatleben. Woran liegt es, dass die offizielle Moral sich von der praktisch gelebten so trennt?

Als Antwort soll auf dem Workshop folgender Gegenstandpunkt diskutiert werden:

Der Grund für die Lage der Frau im Kapitalismus existiert im Hier und Heute, in den ökonomischen Abhängigkeitsverhältnissen, die auch die Privatsphäre mit bestimmen – nicht im Kampf der Geschlechter und der Rückwärtsgewandtheit vieler Männer. Wer Geld für seinen Lebensunterhalt und den der Familie verdienen muss, also die große Mehrheit der lohnarbeitenden Bevölkerung, ist auf einen Arbeitgeber angewiesen, der nach seinen ökonomischen Interessen an Gewinn und Wachstum die Bewerber und Bewerberinnen sortiert und bezahlt. Gegenüber Frauen wie Männern heißt der unternehmerische Standpunkt: Den Dienst, der zu erbringen ist, so billig wie möglich einkaufen.

Warum Frauen bei dieser Gleichbehandlung regelmäßig schlechter wegkommen, welche Rolle dabei der Institution der Familie zukommt, und wie sich in den üblichen Bemühungen beider Geschlechter, unter diesen wirtschaftlichen Existenzbedingungen das Leben zu organisieren, die Sozialcharaktere der Geschlechter bilden, gilt es auf dem Workshop zu klären.

Die zwei Themenkomplexe des Workshops:

  1. Kapitalistischer Arbeitsmarkt und Berufshierarchie - oder: die Antwort auf den „Gender Pay Gap“:
    Das Verhältnis von Haupternährer und Zuverdienerin - oder: Warum werden Frauen überwiegend auf den unteren Stufen einsortiert, arbeiten in schlecht bezahlter Teilzeit, in sog. typischen Frauenberufen und klettern die Karriereleiter selten hoch?
  2. Familie und Lebenspartnerschaften – Die gemeinsame Organisation von Arbeit und Leben als gegenseitiges privates Glücksversprechen, als Gegenwelt zu den Härten der Konkurrenz:
    Warum geht diese kompensatorische Rechnung bzw. Lebensplanung nicht auf? Welche Rollenaufteilungen mit welchen gegenseitigen Erwartungen bestimmen den Familienalltag, wenn er die allgegenwärtige Not an Zeit und Geld weg organisieren soll? Warum werden aus den Glücks-Versprechungen und der Liebe dann zumeist Schuldvorwürfe und Enttäuschungen über das daneben gegangene Lebensglück? Der Standpunkt des Rechts auf Erfüllung von Familien- und Liebespflichten, mit denen die Partner sich nicht nur wechselseitig traktieren, sondern zudem vor dem eigenen Selbstbewusstsein Bestand haben wollen: Die Quelle von Psychoterror bis zur Gewalt?

Lesehinweis zur Vorbereitung (die Lektüre wird aber nicht vorausgesetzt!): Die Frau im Kapitalismus in: GegenStandpunkt, 4-19

Der Workshop erstreckt sich über drei Teile:

Donnerstag von 16:00 Uhr bis 19:00 Uhr
sowie von 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr, und
Freitag von 16:00 Uhr bis 19:00 Uhr.



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